Algerische Gesellschaft in Deutschland e.V. - algid



 



Algerien: Petrodollars für den Aufbau

Artikel aus der webside von RINA ( Russische Informations- und Nachrichetenagentur ) entnommen.

http://de.rian.ru/business/20080703/112900895.html

 

MOSKAU, 03. Juli (RIA Novosti). Die nach Russland zwei weltgrößten Gasexporteure Katar und Algerien bestehen auf einer Prüfung des Preisverhältnisses zwischen Öl und Gas, schreibt die russische Zeitung "Wremja Nowostej" am Donnerstag.

Algeriens Energieminister Schakib Chalil, zugleich OPEC-Vorsitzender, hat die Überzeugung geäußert, dass die Gaspreise bald die Ölpreise einholen würden. Außerdem teilte Chalil mit, dass Algerien aufhören wolle, langfristige Verträge zu unterzeichnen, die den Preisanstieg bei Gas ungerechterweise eindämmen und bei Preisverhandlungen mit Käufern störend wirken. Dieser Beschluss kann einer der ersten tatsächlichen Schritte zur Schaffung eines Gaskartells werden.

Der russische Energieriese Gazprom hält sich weiter an stabilen langfristigen Vereinbarungen. "Unsere Idee ist Aufrechterhaltung der Stabilität", erläuterte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow gestern "Wremja Nowostej". "Wir wollen wegen augenblicklicher Gewinne keine heftigen Schritte unternehmen." Langfristige Verträge würden es erlauben, setzte er fort, die Balance zwischen den Interessen der Lieferanten und denen der Verbraucher zu halten.

Sonderbar genug, aber Vorschläge, die Gas- von den Ölpreisen abzutrennen, kommen neuerdings aus Brüssel. Einige Experten und Politiker erklären diese Idee mit dem Wunsch, dem Gaspreisanstieg ein Ende zu setzen, denn viele halten diese Preise für rein spekulativ. Die Initiative von Katar und Algerien zeugt davon, dass sie von besagter Idee ein direkt entgegengesetztes Ergebnis erwarten.

Gegenwärtig ist Gas ungefähr um 40 Prozent billiger als "schwarzes Gold". "Es ist eine historische Absurdität, dass Erdöl, das in Bezug auf die Verbrennungswärme und Ökologie Gas nachsteht, mehr kostet als Gas", gibt Leonid Grigorjew, Präsident des Instituts für Wirtschaft und Finanzen, zu. "Zugleich wird Erdöl hauptsächlich für die Produktion von Autokraftstoff und nicht als Wärme- oder Stromenergie genutzt." Zum Teil ist mit ihm Wladimir Milow, Präsident des Instituts für Energiepolitik, einverstanden: "Erdöl lässt sich als Verkehrskraftstoff schwer ersetzen, im Unterschied zu Gas, das bei der Stromerzeugung relativ leicht durch Kohle zu ersetzen ist." Die überhöhten Gaspreise hätten schon, sagt er, in Europa die Nachfrage nach Kohle gesteigert. Dieser Trend werde sich, so Milow, erhalten: "Deshalb sollten sich die Gaslieferanten Gedanken darüber machen, dass sie in ihrer Jagd nach Superprofiten einen Teil des Marktes an die Produzenten anderer Brennstoffe abtreten werden müssen."

Nach Grigorjews Ansicht bergen die Erklärungen von Algerien und Katar bisher keine direkte Gefahr der Gründung eines Gaskartells in sich. Doch der Beginn der Diskussion zeuge davon, dass einige Produzenten von verflüssigtem Naturgas auf eine Änderung des Preisformelsystems Anspruch erheben.

 

 

 

24.05.2008

Algerien: Petrodollars für den Aufbau

Ein zweites Dubai? Wie am persischen Golf spült in Algerien der hohe Ölpreis Milliarden in die Staatskassen, die für den Ausbau der Infrastruktur genutzt werden. Die Regierung will so Investoren und Touristen anlocken.

Algerien will im großen Tourismus-Geschäft mitmischen, das im letzten Jahr weltweit ein Wachstum von sechs Prozent verzeichnete. Das Land hat einiges zu bieten: Der größte und landschaftlich interessanteste Teil der Sahara liegt in Algerien – die Wüste macht vier Fünftel der Gesamtfläche des Landes aus. Algerien bietet römische Ruinen und unberührte Natur. Doch trotz 1200 Kilometer Küste empfängt das Land bisher nur ein Prozent der Mittelmeertouristen.

Elf Millionen sind das Ziel von Tourismusminister Cherif Rahmani, der auch für Umwelt und Landbebauung zuständig ist - allerdings erst in relativ ferner Zukunft: 2025. "Unser Land ist im Aufbau begriffen, wir können nicht im kommenden Juni hunderttausende von Touristen herholen", sagt Rahmani. "Wir wollen heute geduldig die Grundlage schaffen, es braucht Infrastruktur und Personal und keine großen Ankündigungen oder auffällige Werbung ohne was dahinter."

Kontrollen wie am Flughafen

Die bestehenden Hotels sind heute schon ausgebucht, vor allem im Sommer, wenn die Algerier selbst im eigenen Land Urlaub machen. Aus dem Ausland kamen 2007 rund 1,7 Millionen Urlauber. Die meisten davon sind im Ausland lebende Algerier und ihre Familien. Etwas mehr als eine halbe Million Europäer wagten sich nach Algerien; meist Geschäftsleute, die in den Hotels von internationalem Standard absteigen. Das Sheraton liegt im sogenannten Club des Pins von Algiers, eine Zone am Meer, in der besondere Sicherheitsvorkehrungen gelten. Während des Terrors der 90er Jahre wohnten hier Minister, Journalisten und sonstige bedrohte Prominenz. Am Eingang des Hotels müssen Besucher und Gepäck durch Sicherheitsschleusen wie am Flughafen. "Das ist nichts Neues, ob das Hotel in Europa steht oder in Asien oder hier", sagt Hans-Jörg Kreitner, der österreichische Chef des Sheratons. "Es gibt gewisse Sicherheitsstandards, und die haben wir hier voll eingeführt."

Auf dem über 30 Kilometer langen Weg vom Club des Pins ins Stadtzentrum von Algier gibt es immer wieder Polizeisperren, aber vor allem sieht man Baustellen: Hochhäuser werden errichtet, an der Metro wird gebaut, die Bucht von Algier wird renoviert, die Kasbah, die Altstadt restauriert, eine Straßenbahn ist in Planung. "Mit den Erdöl-Einnahmen bauen wir die nötige Infrastruktur für Investoren", sagt Djamel Zenguine von der Nationalen Agentur für ausländische Investitionen. "Algerien ist heute eine Baustelle unter freiem Himmel."

Wachstum zum Himmel

Tourismus, Industrie, Landwirtschaft, Fischfang und auch der Umweltsektor sind in Algerien aufzubauen. Ausländische Investoren geben sich in den Kabinetts der Ministerien die Klinke in die Hand. Die Europäer sind die zweitgrößten Invostoren. Die größten Summen kommen von Firmen aus den Golfstaaten: Milliardenschwere Immobilienprojekte für luxuriöse Hotelkomplexe am Meer, deren Modelle an die neue Architektur in Dubai erinnern - kolossal und mit viel Beton. "Wir lassen überall 80 Prozent für Grünflächen. Ob Ihnen das gefällt oder nicht: Alle Großstädte der Welt bauen in die Höhe, schauen Sie die Projekte in Paris, New York oder London an", sagt Minister Rahmani. "Aber ich betone: dieses Wachstum zum Himmel muss unbedingt von Qualität und auf bestimmte Orte begrenzt sein."
Wird das Volk etwas haben von dem Aufschwung? Allein der Tourismus soll 200.000 Arbeitsplätze schaffen. Für den Bau des neuen Stadtparks in Algier, der größer sein wird als der Central Park in New York oder der Hyde Park in London, werden 24.000 Menschen eingestellt, heißt es von offizieller Seite. Und es bleibt noch viel zu tun. "Algerien hat die Phase des Freiheitskampfes hinter sich, der 1,5 Millionen Tote gefordert hat. Es hat die Phase der Arabisierung hinter sich mit verheerenden Folgen für das Ausbildungssystem", sagt Hans Karpe, Leiter des Büros der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Algier. "Es hat die Phase des Sozialismus und die Phase des Fundamentalismus hinter sich - und Relikte davon sind überall noch in irgendeiner Form vorhanden."

Dennoch klingt die Zukunftsmusik so vielversprechend, dass auch die deutsche Wirtschaft immer mehr Interesse zeigt. 2006 wurde die Deutsch-Algerische Handelskammer in Algier eingeweiht. Sie rechnet mit einem enormen Wachstumspotenzial, einem gigantischen Nachholbedarf und einer rasant steigenden Nachfrage bei Konsumgütern. Vor allem im Umweltbereich genießt "Made in Germany" hohes Ansehen. Mit deutscher Hilfe hat sich Algerien die modernste Umweltgesetzgebung von ganz Afrika gegeben.


Martina Zimmermann

Quelle: Deutsche Welle